Ulm und sein Münster

In vielen deutschen Städten fällt es einem wahrlich nicht leicht DAS Wahrzeichen dieser Stadt zu bestimmen. Oder was verbinden sie zum Beispiel als erstes mit Berlin? Brandenburger Tor, Reichstag oder doch Siegessäule? In Hamburg, München und anderen Großstädten fällt die Wahl bisweilen ebenso schwer.

Im Süden Deutschlands liegt jedoch eine Stadt, da kann man schon in 20 Kilometern Entfernung das einzige und unübersehbare Wahrzeichen erkennen. Diese Stadt ist Ulm. Die mitten im Zentrum liegende Kirche, auch Münster genannt, ist mit seinem 161 Meter hohem Kirchturm das größte Gotteshaus der Welt.

Das Geniale am Turm ist allerdings nicht nur seine imposante Höhe: Hinauf an engen Wendeltreppen kommt der Besucher für ein paar Euro bis zur obersten Aussichtsplattform auf 141 Metern. Der Weg dorthin ist jedoch beschwerlich, insgesamt müssen 768 Stufen bewältigt werden. Da auf dem Großteil des Aufstiegs nur eine Treppe existiert, lässt sich Gegenverkehr nicht vermeiden. Der wird auch nur dann zum Problem, wenn sich Frauen mit Schuhgröße 36 außen auf den Stufen positionieren und Männer mit 45er-Stiefeln sich innen notgedrungen versuchen vorbeizuzwängen. Doch oben angekommen ist die Enge und das Schweißvergießen schnell vergessen. Der Ausblick ist Entschädigung und Belohnung zugleich.

Ulm von oben

Selbst bei diesigem Wetter hat man einen prächtigen Blick auf Ulm, Neu-Ulm und das Umland. Anders als in anderen Städten zerstören keine Wolkenkratzer und Wohnblocks den Blick. Besonders schön wirken die malerisch gelegene Donau, die neben Ulm und Neu-Ulm auch Baden-Württemberg und Bayern trennt, und das verwinkelte, historische Ulmer Fischerviertel. Nur in Richtung Osten, also nach Neu-Ulm, muss der Betrachter Betonbauten in großer Zahl ertragen. Zusammenfassend lässt es sich mit den Worten eines Vaters oben an seinen Sohn sagen: „Alles Hässliche was du siehst ist Neu-Ulm.“ Nach dem nicht ganz schwindelfreien Abstieg lohnt auf jeden Fall noch ein Blick in das Hauptgebäude der Kirche. Besonders das Mittelschiff mit seinen prächtigen Verzierungen und einer unglaublichen Höhe lässt den Besucher staunen.

Nach der Anstrengung lässt es sich wunderbar in eines der zünftigen Wirtshäuser im Fischerviertel einkehren. Dort sind vor allem die hausgemachten Spätzle und Pfannkuchen zu empfehlen. Zum Verdauungsspaziergang sind die kleinen Gassen des Fischerviertels und das nahegelegene Ufer der Donau ideal geeignet.